Positionspapier Psychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz

Landespsychotherapeutenkammer veröffentlicht Positionspapier zu ME/CFS

Die Landespsychotherapeutenkammer Rheinland Pfalz hat gemeinsam mit dem Fatigatio e.V. und der Lost Voices Stiftung ein Positionspapier „Beratung und Psychotherapie bei ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis - Chronic Fatigue Syndrom)“ veröffentlicht.

 

Die Initiative für das Papier geht zurück auf eine Veranstaltung der Selbsthilfegruppe ME-/CFS-Kranker in Ludwigshafen am 6. Mai 2013, bei der der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Alexander Schweitzer nach Gesprächen mit Betroffenen und Angehörigen sowie Vertretern von Patientenorganisationen zusagte, Kontakt zur Ärztekammer und zur Psychotherapeutenkammer Rheinpfalz aufzunehmen sowie mit seinen Ministerkollegen in den anderen Bundesländern zu sprechen, um auf die Versorgungsproblematik und das fehlende Wissen über ME/CFS hinzuweisen.

 

Die Landespsychotherapeutenkammer Rheinland Pfalz hat nun als erste die Initiative ergriffen. Sie wendet sich mit ihrem Positionspapier an die organisierten Psychotherapeuten in ihrem Bundesland, um über die Krankheit aufzuklären und das überwiegend falsche Verständnis über ME/CFS bei Psychotherapeuten zu korrigieren.

 

Dabei wird erstmals in Deutschland von psychotherapeutischer Seite explizit darauf hingewiesen, dass es sich bei ME/CFS um eine organische Erkrankung handelt, die bei der WHO unter ICD-10 unter G93.3 (Krankheiten des Nervensystems/Krankheiten des Gehirns) klassifiziert ist, und klargestellt, dass eine psychotherapeutische Behandlung nicht zur Bekämpfung der Ursachen der Krankheit geeignet ist, dass sie aber mit ihren begrenzten Mitteln einen Beitrag zum Umgang mit der Krankheit und ihren dramatischen Folgen und damit auch zur Verbesserung der Lebensqualität Erkrankter leisten kann.

 

Da ME/CFS-Kranke häufig von ihren Hausärzten keine angemessene Diagnose erhalten und in der Folge an Psychotherapeuten verwiesen werden, ist es umso wichtiger, dass diese in die Lage versetzt werden, korrekte Diagnosen zu erstellen. Das Positionspapier legt ihnen nahe, sich am Kanadischen Konsensdokument und den internationalen Konsenskriterien zu orientieren und tritt ausdrücklich dem Vorurteil entgegen, ME/CFS-Kranke neigten zur Übertreibung oder Simulation der Symptome. Auch dies ist ein Novum in offiziellen Statements von Standesorganisationen der Psychotherapeuten und ein erster Schritt zu einem künftig besseren Umgang mit Patienten, die an ME/CFS erkrankt sind.

 

Wir hoffen, dass Minister Schweitzer in seinen Gesprächen nach der Psychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz nun auch die Ärztekammer Rheinland-Pfalz sowie seine Ministerkollegen in den anderen Bundesländern dazu bewegen kann, sich der Thematik anzunehmen. Wir erhoffen uns davon, dass die Ärztekammer dann ebenfalls ihre Mitglieder über ME/CFS informiert und ihnen Hinweise zum internationalen Forschungsstand und zu den international anerkannten Diagnosekriterien gibt. Dies wäre der nächste große und wichtige Schritt hin zur Anerkennung und zu einer besseren Versorgung der an ME/CFS Erkrankten.