Deutsche Leitlinien

  • DEGAM S3 Leitlinie Nr.2: Müdigkeit
  • AWMF S 3 Leitlinie: Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden 

DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin).

 

AWMF Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

 

Medizinische Leitlinien sind systematisch entwickelte Feststellungen, um die Entscheidungen von Ärzten, Angehörigen anderer Gesundheitsberufe und Patienten über angemesseneGesundheitsversorgung für spezifische klinische Umstände zu unterstützen.Sie sind - anders als Richtlinien - nicht bindend und müssen an den Einzelfall angepasst werden. Sie berücksichtigen auch ökonomische Aspekte der Behandlung (wie z. B. eine Reihe von Leitlinien der AWMFMitgliedsgesellschaften).

Die AWMF, ist der deutsche Dachverband von 156 wissenschaftlichen

Fachgesellschaften (Stand: November 2010) aus allen Gebieten der Medizin. Seit 1995 koordiniert die AWMF die Entwicklung von medizinischen Leitlinien für Diagnostik und Therapie durch die einzelnen Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Die AWMF ist als gemeinnützig (Förderung der Wissenschaft) anerkannt.

 

DEGAM S3 - Leitlinie Müdigkeit

Die LVS war als Partner des Bündnis ME/CFS bei der Leitlinienkonferenz vertreten.

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Die AWMF S3-Leitlinie: Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden

Eine Gleichsetzung der neurologischen Erkrankung ME/CFS (G 93.3) mit der psychischen Erkrankung Neurasthenie (F 48.0) in dieser Leitlinie ist ein Verstoß gegen die Klassifizierungsrichtlinien der Weltgesundheitsorganisation und damit auch ein Verstoß gegen, das in Deutschland geltende Sozialgesetzbuch SGB V.
In Deutschland sind die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte und ärztlich geleiteten Einrichtungen laut § 295 Absatz 1 Satz 2 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (Abrechnung ärztlicher Leistungen) verpflichtet, Diagnosen nach ICD-10 GM zu verschlüsseln. Verbindlich für die Verschlüsselung in Deutschland ist die ICD-10-GM Version 2013:

"Die Diagnosen nach Satz 1 Nr. 1 und 2 sind nach der Internationalen Klassifikation der Krankheiten in der jeweiligen vom Deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung herausgegebenen deutschen Fassung zu verschlüsseln."

 

Hinweis: Die Leitlinien sind für Ärzte rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung.

Interessenkonflikt DGPM/Versicherungswirtschaft?

Im Rahmen einer multizentrischen Studie, die von der Dr.-Karl-Wilder-Stiftung gefördert worden ist, hat eine Gruppe von Ärzten für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychiatern und Klinischen Psychologen in den Jahren 2009-2010 einen Leitfaden zur Begutachtung der beruflichen Leistungsfähigkeit entwickelt. Die Essentials des Leitfadens sind dann zeitparallel in die Entwicklung der AWMF-SK2-Leitlinie zur Begutachtung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen eingegangen, die von den relevanten Fachgesellschaften autorisiert worden ist.

 

Die Dr.-Karl-Wilder-Stiftung wurde 1958 von der deutschen Lebensversicherungswirtschaft gegründet und unterstützt medizinische Forschungsprojekte aus dem Bereich der Versicherungsmedizin.

 

Eine solche Vernetzung stellt aus unserer Sicht einen Interessenkonflikt DGPM vesus Versicherungswirtschaft da. (DGMP: Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie)

INTERNATIONAL

Case definitions and diagnostic criteria for Myalgic Encephalomyelitis and Chronic fatigue Syndrome: from clinical-consensus to evidence-based case definitions

Gerwyn Morris 1 |, Michael Maes2,3
1Mumbles Head, Pembrey llanelli, United Kingdom
2Department of Psychiatry, Deakin University, Geelong, Australia
3Department of Psychiatry, Chulalongkorn University, Bangkok, Thailand

 

Key words:
chronic fatigue syndrome; Myalgic Encephalomyelitis; cytokines;
inflammation; oxidative and nitrosative stress; autoimmune; neuro-immune

Neuroendocrinol Lett 2013;34 (3):185–199 PMID: 23685416 NEL340313R01 © 2013 Neuroendocrinology Letters• www.nel.edu

DEUTSCHLAND | GROßBRITANNIEN

Lost Voices Stiftung zur britischen Forschungsstudie Pace Trial

In den o.g. Leitlinien wird auch auf die vermeintlich evidensbasierte Pace Trial bzw. Niceguideline verwiesen. Nachstehend unsere Stellungnahme und eine Verlinkung zu einer umfangreichen Analyse über das zweifelhafte Studiendesign und den vermeintlich daraus gewonnen Studienergebnisse. Diese werden sowohl von den Leitlinienautoren der DEGAM und der AWMF als auch häufig von Medien falsch wiedergegeben. Mehr

Studien der "Wessely-Schule" Grundlage in deutschen Leitlinien

In deutschen Leitlinien werden überwiegend Studien von der "Wessely-Schule" zitiert.Diese werden dabei mit höchster Evidenzbasis eingestuft. Doch was heißt eigentlich Evidenz und gibt es Grenzen der Evidenzbasierten Medizin?

 

Die britische Pace-Trial (Therapiestudie) zu ME wird in deutschen Leitlinien vermeintlich mit höchster Evidensbasis eingestuft. Wieso diese Klassifizierung nicht angebracht ist, zeigen diese vier Videos. Ein weiteres Video zeigt die Unterfinanzierung von Forschung zu der schweren neuroimmunologischen Krankheit Myalgische Enzephalomyelitis im Vergleich zu anderen schwerwiegenden Erkrankungen mit teilweise geringerer Prävalenz.

Frühkindliches Trauma als Risiko für ME/CFS?

Eine Studie von Nater at al.suggeriert das sexuelle, körperliche oder emotionale Traumatisierungen in der frühen Kindheit als Auslöser von ME/CFS deuten. Die Autoren dieser Studie wurde nach Veröffentlichung im Jahr 2009 scharf kritisiert. Für diese Studie wurde eine ungeeignete Probandenauswahl zugrunde gelegt. Die Definition des ME/CFS, wie sie hier verwendet wird, ist so verwässert, dass sie beinahe alle Fälle von ungeklärter Erschöpfung mit einschließt. Somit sind die getroffenen Aussagen im Hinblick auf Menschen, die tatsächlich an einem ME/CFS leiden, wie es den Fukuda-Kriterien oder den kanadischen Kriterien entspricht, schlicht nicht zutreffend. Neben der Problematik, dass viele Probanden berücksichtigt wurden, die an einer Depression litten, wurden Menschen mit neurologischen Symptomen ausgeschlossen, was bei einer neurologischen Erkrankung wie ME/CFS mehr als fragwürdig erscheint. Menschen die tatsächlich an ME/CFS erkrankt sind, blieben dadurch ohne Berücksichtigung.

 

Studiendesign bzw. Probandenauswahl

Die zitierte Studie, die sexuelle, körperliche oder emotionale Traumatisierungen in der frühen Kindheit als Auslöser bei ME vermuten lässt, basiert auf der "empirischen" Definition“ Diese wiederum wurde 2005 von William Reeves bzw. den CDC "operationalisiert" und als "empirische" Definition des "CFS" beschrieben. Tatsächlich ist die "empirische" oder "operationalisierte" Definition des "CFS" von Reeves/CDC eine vollkommene Neudefinition und erfasst Menschen mit ME/CFS überhaupt nicht, sondern erfasst Menschen mit unspezifischen Erschöpfungssymptomen, darunter zahlreiche Menschen mit psychischen Erkrankungen z.B. mit Majorer Depression. Dazu kommt dass von den 227 Personen, die in die Klinik gebracht wurden, nur 58 als CFS-Patienten diagnostiziert wurden waren. Und von diesen 58 Personen blieben nur 6 am Ende übrig, nachdem verschiedene Ausschlusskriterien angewendet worden waren.

D.h. nur bei sechs der Personen, die am Ende in der Studie geblieben sind, wurde CFS diagnostiziert, wenn man die Methoden der Überblicksstudie anwendete (Telefoninterview mit einer ärztlichen Nachuntersuchung, wobei die operationalisierten Fukuda-Kriterien verwendet wurden). Ob es von den sechs Personen jemanden gab, der tatsächlich an ME /CFS erkrankt ist (nach kanadischen Konsensdokument) ist fraglich.

siehe oben: 

Case definitions and diagnostic criteria for Myalgic Encephalomyelitis and Chronic fatigue Syndrome: from clinical-consensus to evidence-based case definitions

 

 

Literaturhinweis: Heim, C., Nater, U. M., Maloney, E., Boneva, R., Jones, J. F. & Reeves, W. C. (2009). Childhood trauma and risk for chronic fatigue syndrome – association with neuroendocrine dysfunction. Archives of General Psychiatry, 66 (1), 72-80.