Einordnung, Klassifizierung & Definitionen

ME wird seit 1969 im ICD-10 Code (das weltweit anerkannte Diagnose- und Klassifikationssystem der WHO, dem sich auch Deutschland verpflichtet hat) unter G93.3 als Erkrankung des zentralen Nervensystems klassifiziert. Studien, die ME als psychiatrische oder psychosomatische Erkrankung einordnen, stehen damit in direktem Konflikt mit der Einordnung der WHO.

 

Im Laufe der Jahre wurden mehrere Definitionen zu ME entwickelt. Diese legen bei ME jeweils einen unterschiedlichen Schwerpunkt, dementsprechend ambivalent können Studienergebnisse – je nachdem, welche Definition bei der Probandenauswahl zugrunde lag - ausfallen.

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Case definitions and diagnostic criteria for Myalgic Encephalomyelitis and Chronic fatigue Syndrome: from clinical-consensus to evidence-based case definitions

Neuroendocrinology Letters Volume 34 No. 3 2013

Gerwyn Morris 1 , Michael Maes 2,3

  1. Mumbles Head, Pembrey llanelli, United Kingdom
  2. Department of Psychiatry, Deakin University, Geelong, Australia
  3. Department of Psychiatry, Chulalongkorn University, Bangkok, Thailand

Neuroendocrinol Lett 2013;34 (3):185–199 PMID: 23685416 NEL340313R01 © 2013 Neuroendocrinology Letters  www.nel.edu

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Review Article: Myalgic Encephalomyelitis Case Definitions

Leonard A. Jason, Dylan Damrongvachiraphan, Jessica Hunnell, Lindsey Bartgis,

Abigail Brown, Meredyth Evans, and Molly Brown

Center for Community Research, 990 W. Fullerton Ave., Suite 3100, DePaul University, Chicago, Il 60614, USA

Address correspondence to Leonard A. Jason, ljason@depaul.edu

doi:10.4303/acpsf/K110601

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Die Lost Voices Stiftung fordert für Deutschland die Anwendung der Kanadischen Kriterien, die sich international in der ME-Forschung durchgesetzt haben und das genauste Diagnoseschema darstellen:

 

  • Oxford-Kriterien & Australische Kriterien (1990/91): Diese Kriterien sind so weit gefasst, dass damit nicht möglich ist, eine homogene Gruppe von Patienten zu erfassen. Werden sie in Studien zur Probandenauswahl herangezogen, so werden Patienten mit unterschiedlichen unspezifischen Erschöpfungszuständen, wie sie z.B. auch bei Depressionen oder Burnout vorkommen, zusammengefasst, die nicht unter das definierte Krankheitsbild ME fallen. Studienergebnisse, die auf der Probandenauswahl anhand dieser Kriterien beruhen, sind damit für ME unbrauchbar.

 

  • Fukuda Kriterien (1994): Die Fukuda Kriterien stellen eine etwas genauere Definition von ME und bilden häufig die Grundlage für Studien. Auch sie sind aber noch so weit gefasst, dass psychische oder psychosomatische Erkrankungen nicht klar von ME abgegrenzt werden können.

 

  • Kanadische Kriterien (2003): Die Kanadischen Kriterien bieten das genauste und am engsten gefasste Diagnoseschema und setzen sich international in der ME-Forschung immer mehr durch. Sie führen, verglichen mit den Fukuda-Kriterien, weniger zur Auswahl psychischer Erkrankungen, sondern mehr zur Auswahl schwerer körperlicher Beeinträchtigungen und neurokognitiver Symptome. Damit stellen sie ein verlässliches Instrument zur Diagnose dar und bieten eine klar definierte Grundlage für die Erforschung von ME.

 

  • Internationale Kriterien (2011):Dieses Dokument listet die wichtigsten Anomalien auf, die bei ME-Patienten gefunden werden. Während die kanadischen Kriterien noch PEM (Post-Exertional Malaise - Zustandsverschlechterung nach Belastung) als Hauptkriterium nannten, wird dieses Symptom nun treffender als PENE (Post-Exertional Neuroimmune Exhaustion - neuroimmunologische Entkräftung nach Belastung) bezeichnet, und es wird erläutert, warum dieses Symptom eine Schutzfunktion des Körpers ist. Es wurde ein Internationales Konsensgremium gebildet, dem Kliniker, Forscher, Lehrende und ein unabhängiger Patientenvertreter angehörten und dessen Ziel die Entwicklung von Kriterien auf der Basis des derzeit vorhandenen Wissens war. 13 Länder und ein breites Spektrum an Fachgebieten waren vertreten. Das Fachwissen und die Erfahrung der Gremiumsmitglieder sowie die Datenbank PubMed und andere Quellen medizinischen Fachwissens wurden bei der wiederholten Abfolge von Vorschlägen, Entwürfen, erneuter Überprüfung und Änderungen eingesetzt. Die Autoren, die von keiner Organisation gesponsert wurden, haben über einen Delphi-Prozess eine 100%ige Übereinstimmung erreicht. (Anm.d.Ü.: ein systematisches, mehrstufiges Befragungsverfahren mit Rückkopplung zum Erreichen eines Konsenses) Der Aufgabenbereich dieses Dokuments beschränkt sich auf die Kriterien für ME und ihre Anwendung. Dementsprechend spiegeln die Kriterien die komplexe Symptomatologie wider. Anmerkungen zur Anwendung steigern die Übersichtlichkeit und Genauigkeit, indem sie eine Richtlinie für die jeweilige Äußerung der Symptome und ihre Interpretation bieten. Richtlinien für die Anwendung in Klinik und Forschung fördern das optimale (Wieder)-Erkennen des ME durch die Ärzte in der Primärversorgung und andere Angehörige des    Gesundheitswesens, verbessern auf internationaler Ebene die Gleichheit der Diagnosen bei Erwachsenen und Patienten im Kindes- und Jugendalter und fördern eine klarere Bestimmung von Patienten für Forschungsstudien. Leider hat eine neue Studie von der DePaul Universität in Chicago, bei der erstmaligen Überprüfung der Nützlichkeit dieser neuen Beschreibung des ME / CFS in einer Stichprobe von Patienten, die die ME-ICC Kriterien erfüllten auch eine signifikant höhere Raten von psychiatrischer Komorbidität gezeigt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Verwendung der MEICC einer homogene Gruppe von Menschen mit schwerer Symptomatik und funktionelle Beeinträchtigung identifizieren. In wieweit die ICC aufgrund der hohen gefundenen psychiatrischen Komorbidität in den ME-ICC Proben überarbeitet werden muss wird diskutiert.

Zur Kritik an der "empirischen" Definition des "CFS"  der Centers for Disease Control bzw. von Reeves http://www.cfs-aktuell.de

 

 

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